Laura

Seit Laura auf der Welt war, war sie ein lustiges und aufgewecktes Mädchen. Sie und ihre Geschwister waren unzertrennlich und sie liebte es, mit der Familie zusammen zu sein. Sie war sehr humorvoll, lachte ständig und seit sie zur Schule ging, kam sie täglich mit neuen, lustigen Witzen nach Hause. Zudem liebte sie den Sport und war schon seit mehreren Jahren Mitglied im Turnverein in ihrem Ort. In ihrem letzten halben Jahr entdeckte sie dann die Freude am Tanzen, was sie sehr, sehr cool fand und fing an sich wie ein kleines Teenie-Mädchen zu verhalten. Sie lackierte sich ihre Fingernägel und färbte sich ihre wunderschönen langen blonden Haare, die ihr unglaublich wichtig waren, mit Kreide und ihr Outfit musste dazu passen. Bis zum Freitag, den:

27.11.2020

Es war ein ganz normaler Freitagmorgen. Laura stand an diesem Morgen auf wie immer und diskutierte wieder mal mit ihrem Bruder am Frühstückstisch, bis sie zur Schule musste. Ich fuhr danach zu meiner Mutter ein Dorf weiter und um 10.30 Uhr bekam ich einen Anruf von Lauras Lehrerin, ob ich sie abholen könne, denn Laura hätte so starke Kopfschmerzen. Natürlich fuhr ich sogleich los und war 5 Minuten später bei Laura, die mit ihrer besten Freundin auf der Schulhaustreppe sass und sich weinend ihren Kopf hielt.

Sie stieg sofort in unser Auto ein, ich sah sie an und fragte: „Laura, sind deine Kopfschmerzen plötzlich so stark?“ Sie antwortete mir weinend: „Ja, Mami.“ Ich wieder: „Laura, du musst mir jetzt die Wahrheit sagen, ist etwas in der Schule oder im Sportunterricht vorgefallen? Du hältst dir den Kopf wieder an der gleichen Stelle, wie vor zwei Wochen, als du zu mir sagtest, du hättest dir wahrscheinlich den Kopf angestossen. Deine Stirn schmerze dich ein wenig, aber eher so wie eine Beule.“ Sie dachte, das sei vielleicht im Sport passiert, als sie vom Boden aufstehen wollte und sie sich leicht an einer Bank den Kopf angeschlagen hatte. Ich kontrollierte und drückte leicht ihre Stirn damals ab und fragte sie, ob da der Schmerz herkomme, aber sie verneinte, also dachte ich es sei wirklich nur eine kleine, leichte Beule. Laura antwortete mir: „Nein, Mami, wirklich nicht.“ Ich: „Wir fahren jetzt erst einmal nach Hause, da werde ich dir Algifor geben. Ich hoffe, danach werden deine Kopfschmerzen bald nicht mehr da sein, wir werden sehen.“ Algifor ist, was unsere Kinderärzte bei Fieber oder Schmerzen unseren Kindern verschreiben und ich glaube, in fast allen Haushalten mit Kindern auch zu finden ist.

Wir fuhren nach Hause, und sie verkroch sich in ihr Bett. Ich dunkelte noch das Kinderzimmer ab, streichelte ihr behutsam über ihren Kopf und sagte ihr, sie solle sich jetzt erst mal ausruhen, es würde bestimmt bald besser werden mit den Kopfschmerzen. Doch keine 10 Minuten später tauchte sie im Wohnzimmer wieder auf und sagte, sie möchte lieber in meiner Nähe liegen, da ihr Kopf so schmerze. Sie legte sich auf unser Sofa und ich deckte sie zu, als sie zu klagen anfing: „Mami, mir ist so übel.“ Ich beruhigte sie, indem ich ihr versicherte: „Wenn du dich übergeben musst, dann lass es raus, das ist nicht schlimm, danach geht es dir bestimmt besser.“ Ihre Übelkeit beruhigte sich wieder und sie schaute sich eine Sendung im Fernseher an.

Ich ging in die Küche, um zu kochen, es war bald Mittag und meine anderen beiden Kinder kämen bald mit Hunger nach Hause. Ca. 10 Minuten später schaute ich aber nochmals nach Laura und fragte sie, ob sie sich schon wohler fühle und sie sagte zu mir: „Es geht mir bereits ein wenig besser Mami, aber ich spüre den Schmerz wie so nach unten gehend im Kopf und ich habe nun einen komischen Geschmack im Mund.“ Ich erinnere mich noch ganz genau an diese Situation, wie ich mich neben sie setzte, ihr ihre Stirn fühlte, ob sie Fieber hätte und sie musterte, was sonst noch nicht stimmen könnte. Ich fand nichts, es schien alles wie sonst ausser diesen argen Kopfschmerzen und dem komischen Geschmack in ihrem Mund.

Ihre Geschwister und mein Mann kamen um 12.00 Uhr von der Schule und der Arbeit nach Hause und die Familie ass zu Mittag ausser Laura. Sie wollte sich nicht zu uns setzen, sie hätte keinen Hunger, versicherte sie mir. Ich erklärte ihr, dass es kein Problem sei, denn mit Migräne könne ich auch nichts essen. Dennoch fragte ich leise meinen Mann, ob er wirklich denke, dass es eine Migräne sei. „Was solle es sonst sein?“, fragte er schulterzuckend zurück und ich antwortete ihm: „Ich weiss es nicht, aber finde das Ganze schon etwas komisch. Ich habe zwar auch viele Migräne-Anfälle, aber trotzdem ist da ein Unterschied.“ Er beruhigte mich: „Wir werden das Ganze jetzt erst einmal beobachten, wenn sich ihr Zustand verbessert, war es „nichts Schlimmes“ und wenn nicht, bringen wir sie morgen zur Notfallstation.“

Eine Stunde später stand Laura vor mir und erzählte, dass es ihr jetzt wohler sei. Die Übelkeit sei weg und die Schmerzen um einiges erträglicher. Sie wollte nun etwas zu sich nehmen, daraufhin holte ich ihr Salzstangen und Zwieback und bot ihr an, falls sie mehr Hunger bekäme, würde ich ihr gerne eine Kleinigkeit kochen. Die Salzstangen und das bisschen Zwieback aber reichten ihr dann völlig aus und ich war froh, dass sie etwas zu sich genommen hatte. Die von ihr angebrochene Packung Salzstangen liegen immer noch im Schrank,- wenn ich so nachdenke. Aber ich kann sie nicht entfernen.

Lauras Zustand verbesserte sich zunehmend. Sie lief ins Kinderzimmer zu ihrer Schwester, wo sie gemeinsam spielten, bis sie sich anfingen zu streiten und sie wieder ins Wohnzimmer zurückkehrte. Sie setzte sich wieder auf das Sofa und wollte sich eine weitere Sendung im Fernsehen ansehen. Sie kam mir vor wie ich, nachdem ich einen Migräne-Anfall überstanden hatte. So müde und mit einem schwummrigen Kopf, aber es ginge ihr wieder ziemlich gut, antwortete sie mir erneut, als ich sie abermals danach fragte. Da war es schon ca. 16.00 Uhr und ich fragte sie, ob sie doch noch am Kindergeburtstag teilnehmen wollte. Ihre Schulfreundin hatte an diesem Tag Geburtstag und Laura wurde zum Abendessen ins Restaurant mit abschliessender Kinderdisco ein paar Dörfer weiter eingeladen, sie würden sie um 17.00 Uhr abholen kommen.

Ich sagte noch zu ihr: „Du kennst meine Meinung dazu, aber ich möchte mal nicht so sein. Wie fühlst du dich oder was meinst du?“ Sie wusste zuerst selbst nicht, was sie genau wollte und so erlaubte ich ihr mitzufahren: „Aber wenn was nicht in Ordnung ist mit dir, gibst du bitte sofort Bescheid, ja? Ich komme dich dann augenblicklich abholen“ beschwor ich sie „oder möchtest du erst später dazu stossen, damit du nichts essen musst, was ist dir lieber?“, fragte ich sie. Sie freute sich so sehr darauf und wollte dann auch von Anfang an mit dabei sein. Also suchten wir gemeinsam ein hübsches Kleid aus und brachten ihre Haare in Schwung.

Ich hielt ihre Hand und mein Augenmerk richtete sich auf ihre Fingernägel als ich ihr versprach, diese am nächsten Tag zu verschönern, wenn sie sich wieder einigermassen erholt hätte. Ich suchte ihr noch eine passende Jacke dazu aus, falls es kälter werden würde, könne sie diese dann anziehen.

Beschwingt und voller Vorfreude verliess sie das Haus. Ich kann mich bis heute nicht mehr daran erinnern, ob ich sie da noch in den Arm genommen und zum Abschied gedrückt hatte oder nicht. Sie setze sich bei der Familie ihrer Schulfreundin ins Auto, als ich ihr viel Spass wünschte und sie nochmals beschwor, mich sofort anzurufen, falls etwas nicht in Ordnung mit ihr sei.

Das war das letzte Mal, als ich meine Tochter lachend sah … 

Ein paar Minuten später klingelte es an der Haustüre. Mein Bruder mit seiner Freundin kamen uns besuchen. Da er gleichzeitig auch der Patenonkel von Laura war, hatte er einen riesigen selbst gebastelten Weihnachtskalender mit Lichterkette im Schlepptau. Sie wollten Laura damit überraschen und ihre grossen Augen sehen, die sie wahrscheinlich machen würde, doch hatten sie Laura knapp verpasst, was natürlich sehr schade war. Also stellten sie den wunderschön strahlenden Adventskalender in ihrem Zimmer so, dass sie ihn nicht übersehen konnte, wenn sie wieder nach Hause kam. Das würde eine freudige Überraschung werden, die wir kaum abwarten konnten. Um 19.25 Uhr verabschiedeten sich die beiden wieder. Ich ass noch mein Abendessen fertig, als mir die Idee kam, Laura selbst abzuholen, weil ich die Unterhaltung mit den Kindern beim nach Hause fahren immer sehr genoss. Ich will dann immer wissen, wie und was sie Tolles erlebt hätten. Zudem wusste ich ja, dass Laura an diesem Tag nicht so fit war wie sonst, also wollte ich früher los und in dem Restaurant, in dem sie noch am Feiern war, etwas trinken und da auf sie warten.

Doch soweit sollte es nicht kommen!

Um 19.35 Uhr bekam ich den Anruf, dass Laura sich mehrmals übergeben und viel erbrochen hätte und ob ich kommen könne. Natürlich beeilte ich mich sofort in mein Auto zu kommen und fuhr los. Kaum im Verkehr bekam ich den nächsten Anruf, Laura sei zusammengebrochen, sie hätten auch die Ambulanz gerufen. Mich durchlief es heiss und kalt und mich überkam eine ungeahnte Angst. Ich fuhr so schnell ich konnte zu Laura und dachte mir dabei noch, dass doch das alles bestimmt übertrieben sei.

Ich kam so ca. um 19.45 Uhr dort an, wo auch die Polizei schon wartete. Polizei? Verstehe, wer will, was hatte die Polizei hier zu suchen? Sie schickten mich sofort rein in das Restaurant einen Stock tiefer in den Discoraum. Dort lag meine Tochter seitlich gelagert hinter der Bar, mit einer Decke zugedeckt. Ich erstarrte, als ich ihr ins Gesicht blickte. Es war alles viel schlimmer, als ich dachte. Ihr Atem ging so schwer und ich hörte mich fragen: „Laura, was ist denn?“ Ich wollte mich noch zu ihr runter knien, als auch schon die Ambulanz eintraf, denen ich dann Platz machte.

Das alles lief in Sekunden oder wenigen Minuten ab. Ich setzte mich auf einen Hocker vor die Bar und antwortete dem Notarzt, der mich fragte, ob was geschehen sei. Ich erzählte ihm natürlich von Lauras Tag, ihren Kopfschmerzen und ihrer Übelkeit und dass mit dem Medikament Algifor die Schmerzen zurückgingen. Zudem informierte ich den Notarzt noch darüber, dass ich einen gutartigen Tumor im Kleinhirn gehabt hätte, was er aber still ignorierte.

Plötzlich fing Laura an zu zittern, Schaum trat ihr aus dem Mund und gleichzeitig kämpfte sich Erbrochenes an die Oberfläche. Dann hörte ich nur noch … die Mutter muss weg, als ich mich ein paar Meter weiter weg neben einem Polizisten wieder fand, der mir mitteilte, dass die Rega, also die schweizerische Rettungsflugwacht angefordert wurde. Ich sagte zu ihm, ich müsse unbedingt meinen Mann anrufen. Ich konnte nicht mehr, mir wurde auf einmal übel und schwindelig. Meine Atmung ging schwerer, meine Beine fingen an zu schlottern und ich merkte gar nicht, dass ich immer noch diese Corona-Maske, die ich mir vor dem Betreten des Restaurants überstreifte, über Mund und Nase trug. „Aber egal, wie ich mich gerade fühle“, sagte ich zum Polizisten. „Meine Tochter geht vor, sie hat jetzt höchste Priorität.“ Meinen Mann flehte ich am Telefon an, sofort zu uns zu kommen und informierte ihn darüber, dass die Rega aufgeboten wurde. Gleich darauf rief ich meine Mutter an, mit der Bitte, unsere anderen beiden Kinder daheim, doch zu ihr nach Hause zu holen. Wir wussten einfach nicht, wie lange wir vor Ort wären und was danach folgen würde, in welches Krankenhaus Laura kommen würde … und, und, und.

Ich fühlte mich immer schlechter und konnte mich kaum noch aufrecht halten. Ich zitterte nun am ganzen Körper. Ich begriff nichts, doch ich spürte den ganzen Tag schon, dass etwas nicht stimmte, dass es ernster war, als wir ursprünglich angenommen hatten. Ich wollte zu meiner Tochter, nichts anderes, einfach nur bei ihr sein. Urplötzlich schaltete sich der Funk des Polizisten ein. Die Stimme am anderen Ende teilte ihm mit, dass die Rega wegen Nebel nicht fliegen könne. Ich werde nie mehr den Blick des Polizisten und des Notarztes in diesem Augenblick vergessen. Der Kampf der Rettungskräfte hatte soeben begonnen! Ich flehte den Polizisten pausenlos an, sie sollten doch Laura in den Krankenwagen schaffen und sie nach Basel ins Kinderkrankenhaus fahren. Doch dieser wimmelte mich ab, das könnten sie nicht, denn Laura sei nicht stabil. Was bedeutet denn stabil? Mir war das egal. Es hätte mich die Welt kosten können und ich hätte alle Gesetze der Erde gebrochen, wenn es nur möglich gewesen wäre, Laura mit dem Krankenauto ins Krankenhaus zu schaffen. Man hätte ihr da womöglich noch besser helfen können. Doch immer wieder bekam ich ein NEIN zur Antwort. Ich ging mit dem Polizisten vor die Türe an die frische Luft. Drinnen durfte ich nicht zu meiner Tochter und der Blickkontakt zu ihr war mir auch nicht mehr möglich. Die Zeit kam mir auf einmal so schleppend lange vor und immer wieder diese eine Frage in meinem Kopf: „Warum fährt die Ambulanz nicht, warum um Gottes willen fährt sie nicht?“

Der Polizist bewegte sich ständig. Alle paar Minuten erkundigte er sich über Lauras Zustand drinnen und kam dann wieder vor die Türe. Plötzlich sah ich die Tränen in den Augen des Polizisten, die ich zwar registrierte, aber nicht wahrhaben wollte. Ich wusste sofort Bescheid, als ich dann auch noch den Notarzt erblickte, wie er ins Freie trat, in meine Richtung lief und den Kopf gebeugt hielt, wie man es aus Filmen und Büchern kennt. Wie durch Watte hörte ich ihn sagen: „Es tut mir so leid.“ 

Die Welt drehte sich, aber ich war auch in dem Moment so unsagbar wütend auf ihn! Ich hielt mir meine Ohren zu und flehte ihn trotzig an. „Ich möchte das gar nicht hören! Bitte nehmt sie mit und fahrt endlich nach Basel in die Kinderklinik! Bitte gebt nicht auf!“ Rief ich ihm zu. „Bitte gebt sie nicht auf!“

Ich steigerte mich weiter in meine Wut, konnte und wollte nicht begreifen, warum sie nicht mit Laura wegfuhren, obwohl ich schon seit einer Weile immer und immer wieder darum bettelte. Und dann entschied man einfach auf dem Boden eines Restaurants, dass meine Tochter Hirntod sei, obwohl die Ärzte nur während 40 Minuten versucht haben sie wiederzubeleben? Richtig. Ich schreibe „nur“, weil ich nach intensiven Recherchen herausgefunden habe, dass man eine Stunde oder bei Kindern sogar noch länger reanimierte. Meiner Meinung nach hatten sie zu früh aufgehört, haben meine Laura einfach aufgegeben. Und wenn man mich heute danach fragt, bin ich immer noch der gleichen Meinung wie damals. Nicht, dass sie vor Ort nicht alles unternommen hätten, um ihr Leben zu retten, aber mit ihr in ein Krankenhaus fahren oder sie noch länger reanimieren, das wäre in meinen Augen das Richtige gewesen.

Ich wollte nur noch zu meiner Tochter, doch meine Kraft verliess mich schlagartig. Ich sackte zu Boden und sass weinend da, in den Armen des Polizisten, der mir sagte, wie unsagbar leid es ihm tat. Ein paar Minuten später traf mein Mann ein, der mich schreiend und heulend vorfand und der von mir erfuhr, dass seine Tochter soeben gestorben sei. Auch er verstand die Welt nicht mehr und fiel wie ich schluchzend auf die Knie. Ich raffte mich auf, ging zu ihm rüber und wollte, aber konnte ihm nichts erklären. Später rief ich meine Mutter, meinen Vater und die Schwester meines Mannes an, die so schnell wie möglich zu uns eilten, um uns in der schwersten Stunden unseres Lebens zu stützen.

Am Rande bekam ich mit, dass die 2. Ambulanz, die speziell für uns Eltern gerufen wurde, heran fuhr. Sie kümmerten sich sogleich um meinen Mann, der auf einmal Herzbeschwerden bekam. Auch wenn es mir genauso schlecht ging, versuchte ich ihm zu sagen, er solle sich doch beruhigen, sonst würden wir noch im Krankenhaus landen anstatt bei Laura, die wir doch noch unbedingt sehen wollten, bevor sie weggebracht wurde.

Die Gerichtsmedizin fand sich ein und zur selben Zeit wurden wir von der Polizei befragt. Wir sassen alle im Restaurant oben mit unseren Angehörigen, als sie uns vorschlugen, wir sollten doch alle nach Hause gehen. Ich wollte aber unbedingt nochmals mein Kind sehen, also kämpfte sich meine Mutter vor und machte sich für uns stark, mit den Worten: „Das geht doch nicht! Wenigstens die Eltern sollten sich doch von ihrem Kind verabschieden können.“ Sie setzte alle Hebel in Bewegung, bis sie endlich das Versprechen erhielt, wir dürften Laura doch noch kurz sehen. Wir mussten uns für zwei Familienmitglieder entscheiden, die wir mitnehmen wollten, das waren dann meine Eltern. Drei Stunden später durften wir uns im Discoraum unter dem Restaurant von Laura verabschieden. 

Ich stürzte sofort in diesen Discoraum, dort lag sie auf dem Boden, zugedeckt, mit einer weissen Decke hinaufgezogen bis zu ihrem Gesicht. So bildschön schlafend und doch so kalt, dass ich kurz erschrak und meiner Mutter zuflüsterte: „Mami, sie ist so kalt.“ Doch meine Eltern standen selbst unter Schock, wie auch mein Mann. Ich umarmte meine Kleine und sprach zu ihr, aber da kam nichts, keine Regung, kein Gefühl, kein gar nichts. Und so mussten wir mit kaum zu beschreibenden Worten unendlich traurig und verwirrt einfach unser Kind dort liegen lassen und allein nach Hause fahren. Die erste Fahrt ohne Laura, die nie mehr mit uns ins Auto steigen würde.

Am Montag darauf erhielten wir einen Kurzbericht der Obduktion, es sei eine Fehlbildung im Kleinhirn festgestellt worden und sie vermuteten, dass es daher komme. Um sicher zu sein, schickten sie Proben in ein Labor, um genauere Erkenntnisse zu bekommen.

Wenn ich unter diesen Begriffen im Internet suchte, fand ich alles Mögliche, von Tumoren bis Aneurysmen, doch bis zu einem gewissen Grad passte es nie ganz dazu. Bis ungefähr zwei Monate nach Lauras Tod der ersehnte Bericht ankam.

 

Laura hatte im Kleinhirn eine AVM.

Eine AVM? Ja, genau eine AVM. So wie ihr euch jetzt gerade fragt, was das ist, hatte ich mich damals auch gefragt. Doch es ergab endlich einen Sinn. Ich suchte dann auf Facebook verschiedene Foren und merkte, wie viele andere betroffene Eltern es gab, die davor auch nichts von AVM wussten. Und so ist die Idee entstanden mit dieser Website. Ich wusste, ich möchte eine Seite erstellen für meine Tochter Laura und über die Krankheit AVM.

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